Was ist die KI-Verordnung (AI Act) – und was bedeutet sie für Ihr Unternehmen?
Kurze Antwort
Die KI-Verordnung (Verordnung (EU) 2024/1689, kurz AI Act) sind die EU-Regeln für künstliche Intelligenz. Sie gilt für alle, die KI entwickeln, und für Unternehmen, die KI im Arbeitsalltag nutzen – auch für kleine. Was gilt, hängt vom Risiko ab: Manches ist verboten, manches ist Hochrisiko mit vielen Pflichten, Chatbots und KI-Inhalte müssen gekennzeichnet werden, der Rest ist minimales Risiko. Für die meisten Unternehmen heißt das heute: Mitarbeitende KI-kompetent machen, keine verbotene KI einsetzen, Chatbots kennzeichnen und sich auf die Hochrisiko-Pflichten ab 2. Dezember 2027 vorbereiten.
Die KI-Verordnung in einer Minute
Die KI-Verordnung ist eine EU-Verordnung. Sie gilt unmittelbar in allen EU-Staaten – ohne dass jedes Land ein eigenes Gesetz schreiben muss. Sie regelt KI danach, wie viel Schaden sie anrichten kann, nicht danach, welche Technik dahintersteckt.
Das Gesetz unterscheidet zwei Rollen:
- Anbieter entwickeln KI und bringen sie auf den Markt, etwa OpenAI, Anthropic, Microsoft oder ein Unternehmen, das eine eigene KI-Funktion baut.
- Betreiber nutzen KI bei der Arbeit. Das sind fast alle anderen Unternehmen – auch Ihres, wenn Ihre Mitarbeitenden ChatGPT, Claude oder Copilot verwenden.
Die vier Risikostufen
| Stufe | Beispiele | Was müssen Sie tun? |
|---|---|---|
| Verboten | Emotionserkennung am Arbeitsplatz, Social Scoring | Finger weg |
| Hochrisiko | Recruiting, Personalentscheidungen, Kreditwürdigkeitsprüfung, Bildung | Menschliche Aufsicht, Protokolle, Information der Betroffenen (ab 2. Dezember 2027) |
| Begrenztes Risiko | Chatbots, KI-generierte Bilder und Deepfakes | Offenlegen, dass es KI ist (ab 2. August 2026) |
| Minimales Risiko | E-Mail-Entwürfe, Zusammenfassungen, Übersetzungen | KI-Kompetenz und gesunder Menschenverstand |
Testen Sie selbst, wie eine KI-Nutzung eingestuft wird:
Wird automatisch nach Ihren Regeln freigegeben. Ihre Mitarbeitenden brauchen die nötige KI-Kompetenz (Art. 4 KI-VO).
Nutzer müssen erkennen können, dass sie mit einer KI sprechen (Art. 50 KI-VO). GoalCube hat einen fertigen Text, den Sie verwenden können.
Recruiting steht in Anhang III KI-VO. Ein Mensch bestätigt die Nutzung, bevor die KI Daten erhält, und entscheidet jeden Fall (Art. 14 und 26 KI-VO; Art. 22 DSGVO).
Emotionserkennung am Arbeitsplatz ist verboten (Art. 5 KI-VO). GoalCube hilft dabei nicht.
Das Beispiel ist vereinfacht. In GoalCube beantworten Sie einige wenige Fragen, und die Einstufung folgt festen Regeln.
Vereinfachtes Beispiel. In GoalCube folgt die Einstufung festen Regeln.
Was gilt schon heute?
Die Verbote und die Pflicht zur KI-Kompetenz gelten seit 2. Februar 2025. Die Regeln für KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck wie GPT und Claude gelten für deren Anbieter seit 2. August 2025. Die Kennzeichnung von Chatbots und KI-Inhalten ist ab 2. August 2026 Pflicht. Alle Termine finden Sie im Artikel zu den Fristen der KI-Verordnung.
Und die DSGVO?
Die KI-Verordnung ersetzt die DSGVO nicht. Verarbeiten Sie mit KI Daten von Kunden, Mitarbeitenden oder Lieferanten, gilt auch die DSGVO: eine Rechtsgrundlage, so wenig Daten wie möglich, ein Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) mit dem KI-Anbieter und geregelte Übermittlungen außerhalb der EU. Mehr dazu in Dürfen wir ChatGPT, Claude oder Copilot mit personenbezogenen Daten nutzen?
So gehen Sie vor
- Erfassen Sie, wo Sie KI nutzen.Welche Tools, wofür? Ein KI-Inventar ist die Grundlage für alles Weitere.
- Bestimmen Sie das Risiko jeder Nutzung.Die meisten Aufgaben sind minimales Risiko. Recruiting, Personalentscheidungen, Kredit und Bildung können Hochrisiko sein.
- Stoppen Sie Verbotenes.Etwa Emotionserkennung am Arbeitsplatz oder Social Scoring.
- Machen Sie Ihr Team KI-kompetent.Eine kurze Einführung, passend zu den Aufgaben – und notieren Sie, wer sie erhalten hat.
- Kennzeichnen Sie Chatbots und KI-Inhalte.Ab 2. August 2026 müssen Menschen erkennen können, dass sie mit einer KI sprechen, und Deepfakes müssen gekennzeichnet sein.
- Bereiten Sie sich auf Hochrisiko vor.Nutzen Sie KI etwa im Recruiting, brauchen Sie ab 2. Dezember 2027 menschliche Aufsicht, Protokolle und eine Information der Betroffenen.
Das sagt das Gesetz
- Verordnung (EU) 2024/1689 – KI-Verordnung
- In Kraft seit 1. August 2024, gilt schrittweise bis 2030.
- Art. 3 KI-VO – Begriffsbestimmungen
- Definiert u. a. KI-System, Anbieter und Betreiber (das Unternehmen, das KI in eigener Verantwortung nutzt).
- Verordnung (EU) 2026/1744 – Digital-Omnibus zur KI
- Ändert die KI-Verordnung: Die Hochrisiko-Regeln werden verschoben, die Pflicht zur KI-Kompetenz wird angepasst.
Fragen und Antworten
Gilt die KI-Verordnung auch für kleine Unternehmen?
Ja. Wer KI nutzt, ist erfasst – eine Ausnahme für kleine Unternehmen gibt es nicht. Bei einfacher Nutzung sind die Pflichten aber überschaubar, und KMU profitieren von niedrigeren Bußgeldobergrenzen und einfacherer Dokumentation.
Gilt die KI-Verordnung, wenn wir nur ChatGPT nutzen?
Ja. Wenn Sie ein KI-System im Arbeitsalltag einsetzen, sind Sie Betreiber. Mindestens müssen Sie für KI-Kompetenz sorgen und verbotene Nutzungen vermeiden. Setzen Sie ChatGPT für Hochrisiko-Aufgaben ein, kommen weitere Pflichten hinzu.
Was ist der Unterschied zwischen KI-Verordnung und DSGVO?
Die DSGVO regelt personenbezogene Daten. Die KI-Verordnung regelt die KI selbst und ihre Risiken. Nutzen Sie KI mit personenbezogenen Daten, gelten beide.
Wurde die KI-Verordnung verschoben?
Teilweise. Der Digital-Omnibus hat die Hochrisiko-Regeln auf den 2. Dezember 2027 (Anhang III) und den 2. August 2028 (Anhang I) verschoben. Verbote, KI-Kompetenz und Transparenz gelten bereits.
Quellen
- Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung) auf EUR-Lex
- Verordnung (EU) 2026/1744 (Digital-Omnibus zur KI) auf EUR-Lex
- Europäische Kommission: AI Act
Geschrieben von GoalCube-Redaktion. Zuletzt aktualisiert 11. Oktober 2026. GoalCube hilft Ihnen, die KI-Verordnung und die DSGVO einzuhalten. Es ist keine Rechtsberatung.
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